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am anderen Ende der Welt

Neuseeland 1992

Jetzt noch ein Bericht von Neuseeland, einer ganz anderen Klimazone; hier fühlte sich unser Autor .....

war das Wasser der Tasmanischen See leuchtend blau. Obwohl wir über den offenen Ozean vor Neuseeland an der Küste des Abel Tasman Nationalparks fuhren, war die See erstaunlich ruhig; kaum Wellengang. Es nieselte leicht, war aber so warm, dass wir im TShirt fahren konnten. Das Zweierkayak hatten wir zuvor für 3 Tage bei einem Bootsverleih in Marahau Beach gemietet. Anfangs waren wir noch in einer Gruppe mit anderen Booten und der Chefin des Bootsverleihs unterwegs. Die Chefin des Bootsverleihs, eine Deutsche, die sich dort niedergelassen hatte, erklärte, wie man mit Kayak und Paddel umzugehen hat, um ohne Schlangenlinien auf möglichst direktem Weg zum Ziel zu gelangen. Als sie bald merkte, dass wir mit dem Paddel umgehen konnten, durften wir alleine losfahren, auf die See hinaus.

Wir fuhren nach Norden. Der Regenwald ging direkt bis an die Küste, gesäumt von einem schmalen feinkörnigen Sandstrand. Vor der Küste lagen kleine unbewohnte Inseln. Gelegentlich konnte man weiter draußen Delphine beobachten. Sanft strichen unsere Paddel über das Wasser. Plötzlich tauchte unmittelbar neben unserem Boot ein Seehund auf, guckte uns neugierig an und verschwand wieder im Wasser. Wir waren schon dicht an Tonga Island herangekommen. Am felsigen Ufer lagen viele Seehunde. Als wir näher kamen, glitten einige ins Wasser und wir sahen, wie sie unter unserem Boot hertauchten. Fasziniert ließen wir uns ein Stück treiben. Tonga Quarry war unser erster Zeltplatz in einer kleinen Bucht mit Sandstrand. Der dichte Regenwald reichte bis an den Strand heran. Wir waren allein. An der Küste führte zwar in der Nähe ein Wanderweg vorbei, es war aber kein Mensch zu sehen. Die Nacht war klar. Der Sternenhimmel funkelte in unendlicher Vielfalt. Deutlich war das Kreuz des Südens zu erkennen. Wir waren frei.

Der Morgen brachte einen Wetterumschwung: Der Himmel war blau, so weit das Auge reichte. Es wehte ein lauwarmer, aber heftiger Wind, der die See aufgewühlt hatte. Die Brandung an unserem Strand war so hoch, dass wir in Sorge waren, ob wir es überhaupt mit dem Kayak durch die Brandungszone hindurch auf das offene Wasser schaffen. Wenn nicht, würden uns die Brecher einfach zurück auf den Strand werfen. Wir zählten die Wellen, ob nicht vielleicht ein Rhythmus zu erkennen war, wonach man niedrigere Brecher vorhersagen kann. Es war nichts zu erkennen. Die Brecher wurden immer höher. Wir mußten es einfach probieren, wenn wir wieder von diesem Strand wegkommen wollten. Wir verzurrten unsere wasserdichten Säcke im Boot. Alles wurde so fest wie möglich verstaut. Da ja sicher war, dass wir nass werden würden, hatten wir nur Badezeug und eine Schwimmweste an. Und dann ging es los. Gerade als sich das Wasser von einem Brecher zurückzog, nahmen wir Anlauf und schoben das Boot mit Schwung ins Wasser, um beim nächsten Brecher schon so weit vom Ufer weg zu sein, dass wir nicht ans Ufer zurückgeworfen wurden. Die Spritzdecke vorne war noch nicht zu, als der nächste Brecher unser Boot überrollte. Aber in diesem Moment war es wichtiger, zu paddeln, um mit dem Boot nicht quer zu den Brechern zu geraten. Ein weiterer Brecher landete in unserem Boot, aber wir hatten genug Auftrieb. Es gelang. Als wir weit genug draußen waren, stieg unser Boot im Wellengang wie mit einem Fahrstuhl auf und ab. Wir ließen uns vom Wind treiben und lenzten das Wasser aus dem Boot. Einsame windgeschützte Buchten luden zum Verweilen ein.

Onetahuti war unser nächster Zeltplatz. Wir wanderten am Ufer entlang, sammelten Muscheln und erforschten den Regenwald. Riesige Farne überwucherten einen Pfad, der von der Küste ins Inland führte. Abseits des Weges war der Regenwald so dicht, dass an ein Durchkommen nicht zu denken war. Bald kam unmenschliche Gesellschaft: Sandflies, kleine Fliegen, die es auf unser Blut abgesehen hatten, fielen in unzählbaren Massen über uns her. Draußen auf der See war man vor diesen Biestern sicher, aber das Ufer war fest in ihrer Hand. Der beste Schutz bestand darin, möglichst wenig Haut zu zeigen. Abends saßen wir vor dem Zelt, das Lagerfeuer knisterte. Wir waren beeindruckt von der Größe und Schönheit der Natur.

Am dritten Tag paddelten wir in südlicher Richtung zurück zum Stützpunkt des Bootsverleihs. Der Wellengang war nicht mehr so hoch wie am Vortag. Wir paddelten noch mal an Tonga Island vorbei, um die Seehunde zu beobachten. Auch die Seehunde ließen es sich erneut nicht nehmen, uns genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie kamen ganz dicht an das Boot heran und wir bewegten uns nicht, um sie nicht zu erschrecken.

Eine andere Insel zog uns magisch an. Zwischen den Felsen am Ufer war ein kleiner Strand, nur wenige Meter breit. Ein Teil des Strandes bestand aus feinem hellem Sand, der andere aus ebenso feinem schwarzen Sand. Der schwarze Strand war von der Sonne aufgeheizt. Wir nahmen ihn in Besitz, indem wir unsere Fußspuren in den Sand setzten und den warmen Sand über unsere Füße rieseln ließen.Es war schon später Nachmittag, als wir endlich wieder in Marahau Beach ankamen. Wir hatten die Zeit voll ausgenutzt und waren die letzten, die an diesem Tag zurückkommen sollten. Nachdem wir das Boot abgegeben hatten, gingen wir noch mal zum Ufer und schauten zurück auf die leuchtend blaue Tasmanische See.

Dr. O. Suchsland


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