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Von Korsika nach Grönland

Der folgende Artikel erzählt uns nicht minder eindrucksvoll von der Majestät einer auch heute noch verhältnismäßig unberührten Landschaft:

Ein roter Felsen hebt sich wie ein Piratenschiff aus dem tief blauen Mittelmeer. Ja, das ist er, wir haben die einsame Bucht an der korsischen Westküste gefunden, die Freunde uns beschrieben haben . Die schlanken Einer fahren knirschend auf den Kieselstrand. Schnell ist das Zelt im Schatten eines Olivenbaumes aufgebaut und wir sitzen zufrieden davor und genießen die Schönheit "unserer Bucht". Ist es ein Geräusch, das uns plötzlich nach hinten blicken lässt? Da schlägt sich tatsächlich ein einsamer Wanderer mit Rucksack und Pfadfinderhut durch die Maccia und kommt auf unser Zelt zu. Unser Kommentar: "Der muss Deutscher sein". Und richtig, er wohnt in Flensburg und sein Job ist Deutsch-Lehrer in Apenrade/ Dänemark. Im Lauf des Abends erzählt er uns, dass er eine geologische Exkursion in Ostgrönland mitgemacht hat und nun plant, im nächsten Jahr eine Kanuexpedition nach Südgrönland zu organisieren. Unsere Neugier ist geweckt. Ergebnis: Im Frühsommer 1977 schaffen wir unsere Boote nach Flensburg und verpacken alles in eine große Kiste, die mit dem Schiff des Koniklich Grönlanske Handel nach Grönland gebracht wird.

Ende Juli fahren Lore und ich nach Kopenhagen, wo wir uns mit dem Rest der Gruppe treffen. Es ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Der Leiter - unser Wanderer aus Korsika -, ein Ehepaar in unserem Alter, drei ältere Herrschaften, davon zwei aus England, ein junger Student "Rolf" aus Karlsruhe und wir beide vom Niederrhein. Aufgrund des hektischen Gewusels unseres Leiters bekommt er gleich von Rolf und mir den Namen "Hektor" verpasst. Mit der SAS fliegen wir über den rauhen Nordatlantik, machen eine Zwischenlandung in Island und kommen dann nach Narsassuag, Südgrönland. Bei der Landung fürchten wir schon, nasse Füße zu bekommen, da das Flugzeug über dem Fjord immer tiefer geht und direkt am Ufer auf die Rollbahn aufsetzt. Aber alles geht gut und wir sind am Eriksfjord gelandet. Hier haben die Wikinger 986 vor Christus unter Erik dem Roten zum ersten Mal in Grönland gesiedelt.

Da wir drei Tage Zeit haben, bis das Küstenschiff "MS Tateraq" uns nach Julianehaab bringt, wo unsere Kajaks und die Ausrüstung mit dem Schiff ankommen sollen, unternehmen wir Wanderungen in der Umgebung bis zum Inlandeis. Immer wieder gibt es neue Aussichten, ob es die riesige Eisfläche oder die tief eingeschnittenen Fjorde mit den treibenden Eisbergen oder ein dahin huschender Eisfuchs sind. Am Fjordufer fange ich nur mit einem Blinker, etwas Schnur und einer Bierdose, auf der ich die Schnur schnell aufwickele, eine große Seeforelle, die zum Abendessen sehr gut schmeckt.

Abends kommt ein Sturm auf, der an unserer Behausung, einer alten Fjellstation, mit fast 95 km/h rüttelt. Auf dem Flugplatz hat der Sturm sogar ein altes Flugzeug aus der Verankerung gerissen und etwas unsanft in einen Graben befördert. Mit dem Küstenschiff geht es durch Schären und um vorgelagerte Inseln herum nach Julianehaab. Dort versperrt ein großer Tafeleisberg von zwanzug Meter Höhe und mehreren hundert Metern Breite fast die ganze Hafeneinfahrt.

Einige Zeit später sichten wir das rote Schiff des Koniklich Grönlanske Handel, das endlich unsere Boote und die Ausrüstung bringt. Wir sind voller Tatendrang, so dass das Entladen und Auspacken der Kiste schnell von der Hand geht. Weiter geht es dann mit einem gecharterten Motorboot zwischen einigen großen türkisfarben schimmernden Eisbergen, die Küste entlang nach Nanortalik. Dort weilt gerade ein dänisches Kriegsschiff zu Besuch und wir können es uns aus der Nähe ansehen. Endlich ist der Tassiussagfjord erreicht, der Ausgangspunkt unserer Paddeltour. Seit Julianehaab begleitet uns Mattheus, ein Inuit. Er hat sich seinen Original-Kajak aus Seehundsfell selbst nach seinen Maßen gebaut. Ich habe später einmal versucht, in seinen Kajak einzusteigen, aber da Mattheus nur 1,55 m groß ist und entsprechend schmal, passe ich mit meinem dicken Po und den längeren Beinen leider nicht hinein. Endlich geht die Paddelei los. Wir fahren durch den Fjord zur Einmündung des Tassarsuagsees, dessen Wasser durch eine Stromschnelle in den Fjord fließen. Hier gibt es nur eins, umtragen. Nach dieser Mühe breitet sich vor uns ein wunderschöner See aus, grünes Wasser, hohe Berge, Gletscher und schroffe Abstürze. Am Ende des Sees schlagen wir unsere Zelte am einzigen Wald Grönlands auf, der aus ca. 3 m hohen Birken und Weiden besteht, die malerisch eine alte Wikinger-Ruine umrahmen. Lore hat beschlossen, sich die Haare zu waschen und meint, das es auch mir nicht schaden könnte. In dem eiskalten Wasser, welches ein paar hundert Meter weiter noch Gletschereis war, habe ich allerdings das Gefühl, skalpiert zu werden. Ich beschließe, mich dieser Tortour nicht all zu oft auszusetzen.

Nach der Rückfahrt über den See, wobei Rolf und ich am Seeausfluss noch schnell ein dort stehendes Stellnetz kontrollieren und zwei große Forellen "befreien", geht es über den vier Kilometer breiten Fjord Richtung Inland-Eis. Wir paddeln an tief eingeschnittenen Tälern und hoch aufragenden Bergen, wie der Kirkesspitze, die 2000 m steil aus dem Wasser ragt, vorbei. Da wir überraschend viel Treibholz finden, können wir uns abends immer bei einem Lagerfeuer gemütlich zusammensetzen. Bei etwas windigerem Wetter geht es weiter durch die wunderschöne Landschaft. Es ist nicht schwierig, gute Zeltplätze zu finden, so dass nach dem Aufbau der Zelte immer noch Zeit bleibt, im Fjord auf Dorsche zu fischen oder Pilze und Beeren zu sammeln für ein schmackhaftes Abendessen. Am Ende des Fjords finden wir an einer Bachmündung in der Nähe des Gletscherabbruchs einen wunderschönen Zeltplatz. Hier macht sich die Nähe des Inland-Eises bemerkbar, denn in der Nacht gehen die Temperaturen bis auf Null Grad herunter. Das Wasser des Baches ist stark sedimentgesättigt und als Trinkwasser nicht zu gebrauchen. Wir besorgen uns daher das Trinkwasser, indem wir von einem kleinen Eisberg Eisstücke abhacken und diese über dem Feuer in einem Topf schmelzen. Am Abend sitzen wir wieder am Lagerfeuer und trinken den für diesen Punkt aufgesparten 12 Jahre alten Whisky mit über 1000 Jahre altem Eis. Ein Genuss, den es nicht alle Tage gibt. Dass über uns am Nachthimmel Nordlichter in allen Farben des Regenbogens flammen, ist das Tüpfelchen auf dem i.

Starker Wind macht die Paddelei am nächsten Tag unmöglich, wir erkunden die Gegend zu Fuß bis zum Gletscher, dessen Abbruchkante sich in ein Kilometer Breite und ca. hundert Metern Höhe vor uns ausdehnt. Vor dieser Eiswand kommen wir uns doch sehr klein vor. Wir warten darauf, dass der Gletscher kalbt, aber leider tut er uns den Gefallen nicht. Nur am nächsten Morgen stellen wir fest, dass vom Gletscher Eis abgebrochen sein muss, denn das Wasser am Ende des Fjords ist mit kleinen Eisstücken übersät.

Nach einigen schönen Tagen, die mit Paddeln, Wandern und Fotografieren ausgefüllt sind, müssen wir die Rückreise antreten. Wieder paddeln wir vorbei an schroffen Felsabstürzen, grünen Tälern, Eisbergen und Eisschollen, auf denen wir manchmal sogar Robben sehen, die sich dort sonnen und durch den Fjord treiben lassen. Am Ausgangspunkt unserer Paddeltour angekommen, nimmt uns die MS Tateraq wieder zur Rückfahrt nach Julianehaab auf. Da in Grönland Ferienende ist und die Kinder wieder zur Schule müssen, wird jedes einzelne Haus und jedes Dorf in der Region angefahren, um die Kinder abzuholen, die während der Schulzeit in Schulheimen wohnen. Wir erleben den plötzlich einbrechenden Seenebel vor der Küste, der jede Sicht nimmt, während gleichzeitig in den Fjorden die Sonne auf die bunten Häuser von Sletten, Sydpröven oder Sardloq scheint. Am liebsten würden wir aussteigen und uns alles aus der Nähe betrachten. Doch leider ist es nicht möglich, unser Urlaub geht zu Ende.

Zurück in Julianehaab kaufen wir bei einem alten Inuit, der in seiner Wohnung Kajak-Modelle nach alter Tradition fertigt, ein Modell als Andenken an eine einmalige Urlaubsfahrt.

F. Küppers


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