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Frankreichtour

Im Jahre 1974 lockte der Wahlspruch "vivre comme dieu en france!" und so ging es diesmal nach Frankreich:

Baguette , Brischitt und Bäne Bauhaus

Es war schon ein ganz besonderes Jahr - das Jahr 1974. Ein ganz besonderes Jahr zumindest für die 15 jungen Reeser, von denen die allermeisten zum ersten Mal nach Frankreich aufbrachen, um vier Wochen Land und Leute, Flüsse und Berge kennen zu lernen, oder um einmal wie Gott in Frankreich zu essen und zu trinken - zumindest davon hatten die meisten schon einmal gehört.

Ansonsten klang "Frankreich" für viele fast wie eine Weltreise. Und von Seyssel, dem kleinen Dorf an der Rhone, hatte zuvor noch niemand etwas gehört, bis es zur ersten Station dieser Reise wurde. Dieser kleine Ort Seyssel ist den meisten auch fast 30 Jahre später unvergesslich geblieben.

Wer dabei war? - Ninni, Krähe, Jösch, Kalle, Jocky und Charly und viele andere aus der so genannten 2 . Jugendgeneration des RKC, deren Spitznamen noch heute auf manchem alten Boot zu finden sind. Und auch Bäne war dabei, der wie seine männlichen Mitfahrer so um die 16 Jahre alt und höchst begeistert war, als am ersten Nachmittag in Seyssel gleich 2 "Brischitts" und sogar eine "Bernadette" neugierig das Zeltlager des RKC auf einer kleinen Wiese am Rande von Seyssel besuchten.

Französisch sprechen konnte von uns eigentlich keiner so richtig, dennoch gab es über den Nachmittag hinaus ein abendfüllendes Programm mit Lagerfeuer, Baguette , französischem Wein und Bier und angeregten Gesprächen. Und mit einer Gitarre, die zwar schon ziemlich alt, abgenudelt und kaum noch zu stimmen war, aber allemal gut genug für richtig gute Stimmung.

Am nächsten Tag dann ein Kinobesuch ("Ben Hur" in französischer Sprache!), ein Adressaustausch für einen späteren Briefwechsel, Küsschen nach Landessitte und viel zu schnell hieß es Abschied nehmen v o n diesem so wunderschönen Dorf an der Rhone und seinen ebenso wunderschönen Töchtern.

Fritz, Sepp und Victor waren nicht mehr ganz so jung, aber dafür wussten sie eben ziemlich gut, dass die ganz Jungen die Zelte abbrechen und weiter mussten, wenn sie Frankreich in vier Wochen wirklich kennen lernen wollten. Genau dafür hatten sie einen Zeitplan: Keine Zeit also für die Herzensangelegenheiten von Bäne (Bernd) und Bernadette und all den pubertierenden Jungkanuten, die ja eigentlich zum Kanu fahren nach Frankreich gekommen waren und die dann am liebsten schon unter der Brükke von Seyssel wieder aus dem Boot ausgestiegen und dort geblieben wären, als die Französinnen zum Abschied noch ziemlich lange hinter uns her winkten.

Frankreich 1974 - gleich die zweite Station erfüllte dann so ziemlich alles, was man sich von einer Weltreise, einem Abenteuerurlaub, einer Expedition ins Ungewisse vorstellte: Die Ardeche - heute leider so etwas wie ein Vergnügungspark für Massentourismus - war damals noch ein beschauliches Flüsschen. Mit einer imposanten Landschaftskulisse, die uns alle ziemlich verstummen ließ.

Wer jemals ohne eine Vorahnung durch den mächtigen Pont d'Arc paddelte und die gewaltige Landschaft ganz allein in einer kleinen Gruppe entdecken durfte, der weiß, dass dieses wunderschöne Tal heute nicht mehr viel von dem hat, was es damals vor fast 30 Jahren noch hatte.

Damals - das heißt, man konnte dort irgendwo die Zelte aufschlagen, wo es einfach schön war. Wo man morgens durch den Fluss auf die andere Seite schwamm und an einer Quelle das Wasser für den Kaffee holte, wo man aus biegsamen Zweigen Pfeil und Bogen für die erfolglose Jagd nach Fischen bastelte, wo man an ausgesuchten Stellen das Paddeln im Wildwasser üben konnte, wo man vom Zeltplatz aus steile Hänge herauf kraxelte, um oben in irgend einem Dorf Wein in Plastikflaschen für das abendliche Lagerfeuer zu kaufen. Wo man am Ufer der Ardeche mit sich und der Welt einfach allein sein durfte.

Frankreich 1974 war dann noch viel mehr - das waren spontane "sit-ins" auf der viel besungenen Brücke von Avignon, das waren plagende Mückenstiche auf den staubigen und glutheißen Campingplätzen am Mittelmeer, und das war mitten im Juli ein Besuch im ewigen Eis des Montblanc.

Frankreich 1974 - damals durfte man noch an vielen Orten "wild" zelten, wo man es heute längst nicht mehr darf. Da stapelten sich einige schmutzige Teller und leere Flaschen neben den Zelteingängen , da hingen Klopapierrollen von der Firststange, halbvolle Taschen mit Proviant standen zwischen den Zelten grundsätzlich immer mitten im Weg. Und doch hatte alles seine Ordnung.

Keinen Zeltplatz verließ man ohne auch den letzten Schnipsel Müll noch mit zu nehmen. Und der Zeitplan für so eine Reise - so lernte man von den Älteren - stand unerschütterlich fest. Das konnte auch keine "Brischitt" durcheinander werfen.

Übrigens trat in demselben Jahr noch Willi Brandt zurück, Helmut Schmidt wurde neuer Kanzler und Walter Scheel Bundespräsident, der amerikanische Präsident hieß Richard Nixon und stolperte gerade über Watergate, und dann wurde Deutschland in München Fußball - Weltmeister - aber das alles ist im Nachhinein nicht wirklich wichtig.

So manch einer verbindet das Jahr 1974 zuerst einmal mit seiner ersten Frankreichfahrt und mit dem kleinen Dörfchen Seyssel an der Rhone, wo die Töchter so unvergesslich von der Brücke winken können. Und es bleibt Dankbarkeit für alle, die dieses Erlebnis möglich machten.

W. Raffel


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