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Pfingsfahrt 2004

Friesischer Fahrstuhl für Kanuten

WASSERSPORT / 27 Reeser erlebten auf ihrer Pfingsttour in den Niederlanden einige kuriose Überraschungen.

REES. Im vergangenen Jahr feierte der Reeser Kanuclub (RKC) sein 50-jähriges Bestehen. Ein Impuls der Erneuerung ist seither deutlich spür- und sichtbar: Ein junger Vorsitzender, neue weibliche Mitglieder und ein Rekordansturm bei der traditionellen Pfingsttour. 27 Kanutinnen und Kanuten im Alter von 15 Monaten bis 57 Jahren fanden sich am niederländischen "Mittelmeer" ein.

Getreu dem Motto "Nicht ohne mein Kanu" führte die Karawane aus Rees 18 Boote mit, vom Fun-Kajak bis zum betagten Mannschaftskanadier mit dem wohlklingenden Namen " Scheich-Rudi". Am Ende des 30 km langen Houtrib-Deiches, der seit den 70er Jahren die Wasserfläche zwischen Friesland und Nord-Holland in das nördliche Ijsselmeer und das südliche Markermeer teilt, liegt das historische Seefahrer- und Fischerstädtchen Enkhuizen. Heute ist die malerische Stadt von der Größe Rees´ bekannt durch seine "Braune Flotte", ehemalige Frachtsegler, die vor 100 Jahren die "Zuiderzee" durchkreuzten. Inzwischen befördern sie vor allem deutsche Touristen und Schulklassen übers Ijsselmeer und bescheren wagemutigen "Landratten" einen Hauch wilder Seefahrerromantik. Die Reeser Kanuten waren mit gemischten Gefühlen in dieses Mekka der Sportsegler und Plattbodenschiffe aufgebrochen. Kanufahren in Westfriesland? Für die erfahrenen Flußkanuten vom Rhein wirkte ein Landstrich ganz ohne fließende Gewässer suspekt.

Netz aus Grachten und Kanälen

Der kleine Campingplatz "De Vest" innerhalb der alten Stadtbefestigung von Enkhuizen bot ein ideales Basislager sowohl für die Kanutouren, als auch zur Erkundung der Altstadt. Direkt am Binnenfahrwasser gelegen, erschließt sich von hier aus das fein verzweigte Netz von Grachten und Kanälen, das für die Polderlandschaft in Nord-Holland so typisch ist. Unter dem "Oudegouwsboom", einem der alten Wassertore, welche die Stadtkanäle mit dem äußeren Festungsgraben verbinden, hindurch ging es in die Innenstadt. Bis zum Hafen paddelte man auf immer schmaler werdenden Grachten, doch die Ausfahrt aufs Ijsselmeer blieb zunächst verwehrt. Eine direkte Verbindungen zwischen den Grachten und dem Hafenbecken gibt es wegen des unterschiedlichen Wasserpegels nicht. Auch eine Schleuse sucht man hier vergeblich. Was anderen Wasserfahrzeugen also verwehrt bleibt, gelang den motivierten Kanuten: Getreu dem Motto "Wer sein Kajak liebt, der trägt" wurden die Boote geschultert und die steile Deichböschung zum "Oude haven" hinaufgewuchtet. Hat man sein Kanu auf der anderen Seite wieder zu Wasser gelassen, gelangt man zwar ungehindert aufs offene "Meer", salzig schmeckt das Wasser hier allerdings nicht. Seit der Fertigstellung des Abschlussdeiches zwischen Den Oever an der Spitze von Nord-Holland und der friesischen Küste im Jahr 1932 ist das niederländische "Mittelmeer" von der Waddensee abgetrennt, wurde aus der "Zuiderzee" folgerichtig das Ijsselmeer und verwandelte sich das Salzwasser allmählich in Süßwasser.

Eine zweite Fahrt führte die Reeser Kanuten ins Landesinnere: Vorbei am Naherholungsgebiet "Het Streekbos" ging es weiter ins Naturgebiet "De Weelen". Nur über den Wasserweg zugänglich, zeigt sich hier die Westfriesische Polderlandschaft in ihrer ursprünglichen Gestalt.

Auf der zweiten Hälfte der etwa 16 Kilometer langen Rundfahrt änderte sich das Bild völlig. Von der Natur- wechselte die Umgebung zur Kulturlandschaft. Die alten Stadt-Dörfer Lutjebroek, Grootebroek und Bovenkarspel bilden ein langgezogenens Spalier entlang des alten Wassertransportweges "De Tocht".

Der folgende Tag sollte die Skeptiker endgültig von den Kanu-Qualitäten des "Kop van Holland" überzeugen und der des "Wanderns" müden Kanujugend den benötigten Adrenalinkick geben. Brandungspaddeln auf der Nordsee stand an: Alle Vorbereitungen waren getroffen - nur eines fehlte am Ende: die Brandung!

Feuerwehr half in "de overhal"

Einen weiteren Höhepunkt erreichte diese außergewöhnliche Tour, als die Reeser den alten Hafen des Ortes Bovenkarspel ansteuerten. Zum Glück für die Kanuten vom Niederrhein hat hier ein Industriedenkmal überdauert, das heute in Europa einzigartig ist: "De overhal", ein 1923 erbautes elektrisches Schiffshebewerk, das nach Jahrzehnten des Verfalls 1993 restauriert wurde und seither wieder in Betrieb ist. Nun warteten neunzehn Kanuten auf ihre erste Fahrstuhlfahrt mit Boot. Per Handy wurde die für den Betrieb zuständige Feuerwehr alarmiert. In 15 Minuten sei er an Ort und Stelle, hieß es am anderen Ende der Leitung. 30 Minuten später hatte sich bereits eine beachtliche Zuschauermenge eingefunden und sparte nicht mit klugen Kommentaren: Ginge es nicht schneller, wenn man die Boote tragen würde? Ach der "Overhal" funktioniere noch? Man habe auf dieser Anlage noch nie Kanus gesehen. Schließlich traf doch noch ein Feuerwehrmann in zivil ein und setze den "Overhal" in Bewegung. Ein riesiger Eisenkäfig senkte sich ins tiefer gelegene Grachtenwasser und die ersten Kajaks tasteten sich vorsichtig hinein. Kurz darauf drängelten sich alle neun Boote, darunter der 7er-Kanadier auf den rostigen Metallstreben. Und schon ging es los, erst aufwärts, dann seitwärts und schließlich wieder abwärts, in den höher gelegenen "Kolk". Unter dem lauten Beifall der Zuschauer stießen die sichtlich erleichterten Kanuten in das Hafenbecken vor.

Am Ende der Pfingsttour 2004 stand für die Kanupilger aus Rees fest: "Westfriesland ist eine Reise wert, aber bitte nicht ohne Kanu!"

NRZ 05.06.2004

Natur pur und ein seltsamer "Fahrstuhl"

Reeser Kanuten auf Tour

REES. Im vergangenen jahr feierte der Reeser Kanu Club (RKC) sin 50-jähriges Bestehen. Seitdem herrscht Aufbruchstimmung, die sich unter anderem auch in Rekordbeteiligung an der traditionellen Pfingsttour ausdrückte. 27 Kanutinnen und Kanuten im Alter von 15 Monaten bis 57 Jahren waren am vergangenen Wochenende zum niederländischen "Mittelmeer" aufgebrochen, um die Kanu-Qualitäten des östlichen Westfriesland zu testen.

Als Basislager diente ein kleiner Stadt-Campingplatz im historischen Seefahrer- und Fischerstädtchen Enkhuizen am westlichen Ufer des Ijsselmeers. Heute ist die malerische Stadt, die ungefähr so groß wie Rees ist, vor allem bekannt durch seine "braune Flotte", auf der zumeist deutsche Touristen und Schulklassen einen Hauch wilder Seefahrerromantik erleben. Von Enkhuisen aus wurden verschiedene Kanuwanderfahrten sowohl in die Westfriesische Polderlandschaft als auch aufs offene Marker- und Ijsselmeer hinaus unternommen.

Die Reeser Kanuten erlebten wunderbare Naturlandschaften und unter anderem eine ungewöhnliche Fahrstuhlfahrt im "Overhal". Dabei erlebete das in Europa einzigartige Industriedenkmal gemeinsam mit dem RKC eine Premiere: 19 Kanutinnen und Kanuten in neun Booten schwebten zugleich unter dem Applaus einiger Zuschauer vom kanal in den Hafen. Einen solchen "Käfig voller Narren" hatte man hier noch nicht gesehn. Am Ender der Pfingstour 2004 stand für die Kanupilger aus Rees fest: Westfriesland ist immer eine Reise wert, aber bitte nicht ohne Kanu !

RP 05.06.2004

Kanuclub Rees entdeckte östliches Westfriesland

Landschaft mit ihren Flußläufen ist einzigartiger Fahrstuhl für Kanuten

REES. Im vergangenen Jahr feierte der Reeser Kanuclub (RKC) sein fünfzigjähriges Bestehen. Die enormen Anstrengungen zur Vorbereitung des Jubiläums wurden nicht nur durch ein rauschendes Sommerfest belohnt. Ein Impuls der Erneuerung ist seither deutlich spür- und sichtbar: ein junger Vereinsvorsitzender, neue weibliche (!) Mitglieder und nicht zuletzt ein Rekordansturm bei der traditionellen Pfingsttour 2004.

27 Kanutinnen und Kanuten im Alter von 15 Monaten bis 57 Jahren waren am vergangenen Wochenende zum niederländischen "Mittelmeer" aufgebrochen, um die Kanu-Qualitäten des östlichen Westfriesland zu testen. Wer zuvor befürchtet (oder gehofft) hatte, nur die durstigen Kehlen würden feucht, die mitgebrachte kanuflotte jedoch trocken bleiben, der wurde eines Besseren belehrt.

Als Basislager diente ein kleiner Stadt-Campingplatz im historischen Seefahrer und Fischerstädtchen Enkhuizen am westlichen Ufer des Ijsselmeeres. Heute ist die malerische Stadt von der Größe der Stadt Rees vor allem bekannt durch seine "braune Flotte", auf der zumeist deutsche Touristen und Schulklassen einen Hauch wilder Seefahrerromantik erleben. Von Enkhuizen aus wurden verschiedene Knuwanderfahrten sowohl in die Westfriesische Polderlandschaft als auch aufs offene Marker- und Ijsselmeer hinaus unternommen. Das ebenfalls geplante Brandungspaddeln auf der Nordsee musste jedoch mangels Brandung entfallen. Dafür wurden die Reeser Kanuten durch wunderbare Naturlandschaften und eine ungewöhnliche Fahrstuhlfahrt im "Overhal" belohnt. Das 1923 in Bovenkarspel erbaute elektrische Schiffshebewerk diente in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts dazu, die aus dem Polder kommenden "Schuiten" ins höher gelegende Hafenbecken zu heben, wo ihre agrarische Fracht auf die größeren Plattbodenschiffe umgeladen und über die Zuiderzee in andere Landesteile verchifft wurde. Jetzt erlebte das Europa einzigartige Industriedenkmal gemeinsam mit dem RKC eine Premiere: 19 Kanuteninnen und Kanuten in neuen Booten schwebten zugleich unter Applaus einiger Zuschauer vom Kanal in den Hafen. Einen solchen Käfig voller Narren hatte man hier noch nicht gesehen. Am Ende der Pfingsttour 2004 stand für die Kanupilger aus Rees fest: Westfriesland ist eine Reise wert, aber bitte nocht ohne Kanu!

Niederrhein Nachrichten 13.06.2004


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