Aktuell
Der Verein
RKC-Jugend
Links
Kontakt
Startseite
Fahrtenprogramm
Geschichte
Fahrtenberichte
Bilder / Videos
Intern
Vereinsgründungsgeschichte

Es war einmal...
...ein Mädchen, das durch die Wirren der Nachkriegszeit 1951 mit seinen Eltern und zwei jüngeren Geschwistern nach Rees am Rhein gekommen war.

Es war vom Rhein fasziniert und wollte unbedingt aufs Wasser. Damals gab es noch viele kriegszerstörte Häuser in Rees und an Wassersportvereinen nur den Ruderverein. Es dauerte nicht lange und das Mädchen war dort Mitglied. Es ruderte mit anderen zusammen im Riemenvierer auf dem Rhein. Aber die Freude dauerte nicht lange. Eine schwere Sehnenscheidenentzündung an beiden Handgelenken machte der Ruderei bald ein Ende und das Mädchen stand wieder am Rheinufer und schaute den Booten hinterher.
Eines Tages kaufte sich der Vater einen Regenmantel und zwar einen Kleppermantel. Mit dem kam auch ein Reklameheft ins Haus mit schönen bunten Bildern und dem Werbespruch:

"Fahr fröhlich in die weite Welt mit Kleppermantel, -Boot und -Zelt!"

Das war's! Ein Paddelboot! Ein Paddelboot ist nicht so schwer wie ein Ruderboot, ein Klepperfaltboot musste her, aber wie?

Das Taschengeld wurde eisern gespart, Patenonkel und -tanten angegangen, alle Verdienstmöglichkeiten ausgelotet, das Ziel blieb in weiter Ferne. Doch das Weihnachtsfest 1952 nahte und damit die Rettung. Auch wenn dem Prinzip der Eltern, dass die Kinder zu allem, was sie haben wollten, die Hälfte selbst sparen mussten, noch nicht ganz Genüge getan war, so lagen doch unter dem Weihnachtsbaum drei dicke Segeltuchsäcke mit Bootshaut, Spanten, Senten und Paddeln.

Natürlich mussten noch an Heiligabend Tisch und Stühle zur Seite geräumt und der Klepper-Aerius-Zweier aufgebaut werden. Er passte gerade diagonal in das Wohnzimmer, nur bewegen konnte man sich nicht mehr darin. Die Mutter machte dann auch den Trockenübungen bald ein Ende und verlangte kategorisch, dass das Paddelboot aus dem Wohnzimmer zu verschwinden habe, man wolle ja schließlich essen.

Es half nichts, das Boot musste wieder zusammengelegt und auf dem Dachboden verstaut werden. Bis zum Frühjahr würde man warten müssen.

In der Nachbarschaft gab es einen Kolonial- und Drogeriewarenladen, in dem Franz Wagner und Ehefrau hinter der Ladentheke standen, heute würden wir sagen, einen Tante-Emma-Laden. Dort kaufte die Mutter, was man so zum Leben brauchte und der Vater seine Zigaretten und ab und zu eine Flasche Wein. Eines Abends ging er wieder Zigaretten holen und war für Stunden nicht mehr gesehen. Das war völlig gegen seine Gewohnheit, denn er war ein Workaholic und arbeitete Nächte hindurch. Als er endlich zurückkam, umwehte ihn Rotweinduft und er war glänzender Laune. Seiner fragend blickenden Ehefrau erklärte er strahlend, er habe das Problem der Unterbringung des Paddelbootes gelöst und soeben einen Kanuclub gegründet. Man werde ein Bootshaus bauen und dort die Boote unterbringen.

Was war geschehen?

Franz Wagner hatte eine neue Lieferung Rotwein erhalten und in dem Stübchen hinter seinem Laden prüften schon einige gute Kunden dessen Qualität, als Vater Suchsland seine Zigaretten kaufte und von Franz Wagner eingeladen wurde, ebenfalls sein Urteil über den neuen Rotwein abzugeben.

Der Rotwein muss gut gewesen sein, die Runde vergrößerte sich so, dass Frau Wagner die Gläser ausgingen. Doch man wusste sich zu helfen, entfernte die Blumen aus der Vase und füllte sie mit Rotwein. Der Rotwein wurde auf den Namen "Asternblut" getauft, er löste die Zungen und man erzählte sich so dies und das. Dies war, welchen Spaß das Paddeln auf d e m Rhein in selbst gebauten Paddelbooten macht, u n d das war, wie schwierig es in dem noch nicht wieder aufgebauten Rees ist, einen Unterstellplatz für die Boote zu finden.

Vater Suchsland dachte an das Faltboot auf dem Dachboden und die sehnsüchtigen Augen seiner Tochter, das "Asternblut" rollte durch seine Adern, die Rotweing Geister tanzten und er sagte: "Warum bauen wir nicht ein Bootshaus, ich suche auch nach einem Platz für das Faltboot meiner Tochter." Verblüfftes Schweigen, doch dann fragten alle fast gleichzeitig: "Ja, und wie machen wir das?"

"Ganz einfach, wir gründen einen Verein, einen Kanuverein."

Die Rotweingeister schlugen Purzelbaum oder machten sie etwa Eskimorollen? Alle waren begeistert und am 16. April 1953 trafen sich in der Gaststätte Driftmeier am Rhein, wohin Vater Suchsland zur Vereinsgründung eingeladen hatte, 16 Kanuten. Das war die Geburtsstunde des RKC Rees!
L. Suchsland


zurück